Stichwortsuche

Vom Hausbesuch zur Kinderkrippe – Eine Bedarfs- und Defizitanalyse bei hochbelasteten Familien im Rahmen des Projektes Frühe Intervention für Familien (PFIFF)

(Dipl.-Psych. Ilka Baukhage, Dr. Christine Bark, Dr. Anna Sidor, Prof. Dr. Manfred Cierpka)

Das Projekt "Vom Hausbesuch zur Kinderkrippe – Eine Bedarfs- und Defizitanalyse bei hochbelasteten Familien im Rahmen des Projektes Frühe Intervention für Familien (PFIFF)" hatte zum Ziel den Übergang von einer Familienhebammenbetreuung von Kindern aus hochbelasteten Familien in eine weiterführende Betreuung (Kindertageseinrichtung oder Kindertagespflege) zu untersuchen. Es ist wichtig, dass die positiven Effekte durch erfolgreiche Prävention, die in den ersten Lebensjahren der Kinder erzielt wurden, auch im Sinne einer Präventionskette in den folgenden Jahren aufrechterhalten und verstärkt werden und die Kinder weiterhin eine adäquate Unterstützung erfahren. Eine Empfehlung für eine Krippenbetreuung durch die Familienhebamme zeigte sich dabei als äußerst wirksam: Familien, die eine Empfehlung erhalten hatten, ließen ihre Kinder auch signifikant häufiger in einer Krippe betreuen. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass vor allem Kinder berufstätiger Eltern außerfamiliär betreut wurden. Aus Sicht der Eltern wurde neben der Berufstätigkeit als zweithäufigster Grund für eine Krippenbetreuung persönliche Belastungen genannt, gefolgt von der Förderung der kindlichen Entwicklung und dem Vorhandensein von Spielgefährten. Besonders für die Gruppe der weiterhin überdurchschnittlich stark belasteten Familien wäre es wichtig für einen sicheren Übergang in eine Tagesbetreuung zu sorgen und sie durch eine weiterführende primärpräventive Intervention in der Tagesbetreuung zu begleiten. Ähnlich zeigte es sich bei der Tagespflegerischen Betreuung, hierbei wurde zusätzlich der Vorteil der zeitlichen Flexibilität von Eltern angegeben. Bei den Gründen für eine familiäre Betreuung wurde vor allem der Wunsch nach eigener Betreuung, gepaart mit einer fehlenden strukturellen Notwendigkeit für eine außerfamiliärer Betreuung aus elterlicher Sicht genannt. Deshalb und auch weil über alle Betreuungsformen (Kindertageseinrichtung, Kindertagespflege und familiäre Betreuung) hinweg eine hohe Zufriedenheit herrschte, sollte die Entscheidung für oder gegen eine außerfamiliäre Betreuung mit den Familien individuell erörtert werden. Die Zufriedenheit der Eltern hing von deren individuellen Erwartung und der Erfüllung dieser Erwartung ab. Familien, deren Kinder in der Krippe waren, äußerten signifikant weniger häufig den Wunsch nach mehr Unterstützung. Eine Krippenbetreuung scheint demnach dem Bedürfnis nach Unterstützung am besten gerecht zu werden. Zusätzlich wurde die Perspektive der Kinderkrippen mit Hilfe von qualitativen Interviews untersucht. Es zeigte sich, dass ein hoher Bedarf, wie auch eine hohe Bereitschaft besteht, Krippenmitarbeiter im Umgang mit Kindern aus belasteten Familien zu schulen. Diese Offenheit kann als gute Voraussetzung für die Umsetzung neuer Konzepte gesehen werden, wobei bei einer vermehrten professionellen Einbindung von Kindern aus belasteten Familien  bestimmte Voraussetzungen geschaffen werden müssen. Unsere Empfehlungen sind daher vor allem die Qualifizierung des Krippenpersonals, Ausbau der Vernetzungsstruktur (zwischen Familienhebammen und Krippen) sowie die Einführung einer primärpräventiven Intervention in Kinderkrippen (siehe „mentalisierungsbasiertes Präventionsprogramm für Kinderkrippen“, Beschreibung folgt).

Projektlaufzeit: Juli 2013 – Juli 2014

Förderung: Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH), Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)