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Belastungseinschätzung

Die gesunde Entwicklung von Kindern hängt in entscheidendem Maß davon ab, wie deren Bezugspersonen in der Lage sind, Beziehung zu gestalten und Bindung aufzubauen.

Um Familien möglichst passgenaue Unterstützung und Begleitung anzubieten, ist ein erster Schritt, deren Belastungen und Ressourcen zu erkennen und in ihrem Ausmaß einzuschätzen. Dies geschieht durch die Fachkräfte im Gesundheitswesen (z. B. Krankenschwestern, Hebammen, GynäkologInnen, KinderärztInnen), aber auch durch die aufsuchenden Helferinnen. Zur Unterstützung der Belastungseinschätzung wurden im Rahmen der Projektzeit von Keiner fällt durchs Netz verschiedene Instrumente entwickelt, die sich auf Studienergebnisse zu Risiko- und Schutzfaktoren stützen.

Hintergrund: Was sind Risiko- und Schutzfaktoren?

Ein Risikofaktor ist eine Bedingung, welche die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Störung erhöht. Dabei kann unterschieden werden, ob die Faktoren in der Person liegen (z.B. Frühgeburt, geringe Intelligenz) oder in der Umwelt (z.B. Armut, psychische Erkrankung eines Elternteils). Risikofaktoren müssen jedoch für sich genommen noch keine Belastung bedeuten, sondern sie können durch Schutzfaktoren (Ressourcen) ausgeglichen werden. Erst bei einer Anhäufung von Risikofaktoren und beim Fehlen von ausgleichenden Ressourcen kommt es zu einer sichtbaren Belastung.

Was Risiko- und Schutzfaktoren sind, wird durch eine Vielzahl an Studien erforscht. Deren Ergebnisse sind stets als Wahrscheinlichkeiten zu verstehen, d. h. wenn Teenagerelternschaft als Risikofaktor angeführt ist, so bedeutet dies nicht, dass alle Kinder von Teenagern belastet sind, sondern nur, dass sie im Durchschnitt belasteter sind als die Kinder von älteren Eltern. Schutzfaktoren, in diesem Fall z. B. das Vorhandensein stabiler Beziehungen zu den Großeltern, können das potentielle Risiko ausgleichen.

Heidelberger Belastungsskala (HBS)

Die HBS erfasst vier Belastungsbereiche: persönliche Belastungen des Kindes (z. B. Behinderung, schwieriges Temperament), persönliche Belastungen der Eltern/familiäre Belastungen (z. B. ungewollte Schwangerschaft, chronische Familienkonflikte), soziale Belastungen (z. B. fehlende Unterstützung) und materielle Belastungen (z. B. Arbeitslosigkeit). Alle Einschätzungen werden zu einem Gesamtwert zusammengefasst, der sich jedoch nicht aus dem Mittelwert der einzelnen Belastungsskalen ergeben muss, sondern eine eher globale Einschätzung darstellt, bei dem auch die Intuition der Fachkraft einfließen kann. Der Blick auf die Familie soll nicht defizitorientiert erfolgen, sondern es werden auf jeder der Dimensionen auch kompensatorische Schutzfaktoren berücksichtigt.

Die Belastungsbewertung einer Familie erfolgt auf jeder der insgesamt fünf Dimensionen mit Punktwerten zwischen 0 und 100. Das Üben der Handhabung der Skala mittels Fallbeispielen ist Voraussetzung für deren praktischen Einsatz.

Heidelberger Belastungsskala (HBS)

Veröffentlichung zur HBS (Sidor, Eickhorst, Stasch & Cierpka, 2012)

Präventions-Checkliste

Im Heidelberger Projektteil HEIKE wurde eine Checkliste Prävention erstellt. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, sich anhand konkreter Merkmale der Familien einen raschen Überblick über potentielle Risiko- und Schutzfaktoren zu verschaffen. Vorschläge zum weiteren Vorgehen (primäre vs. sekundäre Prävention) schließen sich an.

Checkliste Prävention

Heidelberger Leitfaden Frühe Hilfen und Kinderschutz